Fotografin: Isabelle Girard de Soucanton

 

Der Monat März liebäugelt mit Kunstinteressierten:  im Kunstraum Westpfalz, in der Stiftskirche,  demnächst in der Pfalzgalerie. Und seit Freitagabend ist im Kunstlager 22  die Ausstellung „Woher komme ich? Wohin gehe ich?“ zu sehen. In dem  Leerstand (vormals Drogerie Müller) beantworten Mitglieder der Künstlerwerkgemeinschaft (KWG) die Titelfragen mit biografisch datierten Positionen ihrer Werdegänge.

 

Von Isabelle Girard de Soucanton

Viel Raum, viel Kunst und zur Vernissage viel Volk war im Leerstand des Kaiserslauterer Fuchsbaus zu erleben: bildende Kunst füllte das Geviert zwischen zwei Mauerwänden und zwei Fensterfronten. Ein präsenter Raum.

Die 500 Quadratmeter des Raumes haben wahrlich bessere Zeiten gesehen: Rundum abblätternde Farbe, abgeklopfter Putz, fleckige Wandflächen neben Rohren und durchhängenden Kabelsträngen in offenen Mauerspalten. Kurz: Es ist  eine Baustelle, denn der Leerstand wird für neue Mieter renoviert. Ebenfalls rundum leuchtet Licht aus neuen Lampen.
Mitglieder der KWG haben sie provisorisch montiert. Geht es doch darum ihre Werke ins rechte Licht zu rücken.

Zeiten und Positionen

Zu sehen sind  54 Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie, Objekte und Skulpturen. Sie markieren Zeiten und Positionen, Epochen und Entwicklungen, die der Titel anspricht. Sie visualisieren ein Stück des Weges der neun teilnehmenden Künstler Roland Albert, Klaus M. Hartmann, Jörg Heieck, Reiner Mährlein, Veronika Olma, Silvia Rudolf, Gela Steinmacher, Volker Tinti sowie dem ehemaligen KWG-Mitglied Thomas Brenner. Sie  machen deren kreative Kontinuität oder Aktivität sichtbar, sie zeigen verbliebene oder veränderte Ausdrucks- und Darstellungsformen. Das gleicht  einem Manifest: sichtbare Kunstpositionen damals und heute. Lebensspannen, die exakt bis zu 50 Jahre reichen.

Der Beleg aus dem Jahr 1972 hängt an einer der Raumsäulen. Er heißt  „Rotation“, zeigt verdichtetes Kreiseln roter Lackfarbe auf Karton und stammt aus dem Atelier von Volker Tinti, dem zweitältesten KWG-Mitglied. Daneben sind seine heutigen Arbeiten sehen: Konkrete Kunst in Weiß, Blau, Rot. Längst bemalt Tinti nur noch hölzerne Kleinteile – für mathematisch präzise Reliefvarianten. So nebeneinander ausgestellt sind andere Werdegänge eher selten.

Mannshoher Stahltorso

Zum Beispiel Gela Steinmacher. Sie zeigt 30 Jahre von helmartigen Objekten in Raku-Technik (1991) am Schaufenster bis zur Installation „Les Ephémères“ aus Pflanzenteilen aus 2021 zwischen Arbeiten anderer. Dahin gelangt der Besucher vorbei am mannshohen Stahltorso „Kopplung“ (2021) des Bildhauers Klaus M. Hartmann. Mit seinem Podest markiert er nicht nur ein treffliches Ausstellungszentrum. Er assoziiert zudem, dass jenes Woher und Wohin das Menschsein an sich ausmacht und alles so etwas passieren kann, was die Kunst rundum ausdrückt: mal figürliche, mal abstrakte Menschengesichter, Raumdimensionen, Farbemotionen, Regen,  Bewegen, Architekturen, Naturen, Gegenstände.

Tatsächlich liegt die Faszination dieser Kunstschau im Rundgang. Stets präsent ist der beschriebene Raum. Stets vor Augen die  zwei- und dreidimensionale Kreationen erzählter Geschichten wie Thomas Brenners inszenierte Fotografien, und Veronika Olmas Tempera-Malerei, Lebensräume wie in Jörg Heiecks Landschaftsfotografie und  Roland Alberts Naturgebilde oder auch assoziative Zeichen und abstrakte Formen wie Silvias Rudolfs Papierarbeiten und Acryl-Stäbe oder Reiner Mährleins Arbeiten in Stahl und Stein.

Rational und emotional

Das Besonders dieser Ausstellung ist als Besucher ungewohnt intensiv zwischen Raum und Kunst zu sein. Und so kommt an, dass jedes Werk an lesende Augen oder Hände adressiert ist, ob einsam versunken in Macharten oder mit anderen unterhaltend über Lesarten. Eine sehenswerte Ausstellung mit starken lokalen Bezügen, die dem Charme des Ortes ebenso Attribute zollt wie den rational und emotional zu erlebenden Positionen der hiesigen Kunstszene.

Ausstellung

Die Ausstellung im Kunstlager 22, Kaiserslautern, Eisenbahnstraße 21-25, geht bis Juni, Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag 17-19 Uhr , Samstag 11-15 Uhr.  Info: kuenstlerwerkgemeinschaft.de Das Rahmenprogramm (Musik, Literatur, Schauspieler) startet am 30. April.